
Das Vereinsgebäude wurde 1910 im damals modernen “englischen Landhausstil” (ähnlich dem Schloss Cecilienhof) gebaut; es ist heute noch weitgehend original erhalten und steht unter Denkmalsschutz.
Ein großer Versammlungs- und Festsaal im Stil des Speisesaals eines damaligen Luxusdampfers (unverändert seit der Errichtung), ein gemütlich-stilvoller Barraum, ein teilbarer Restaurantbereich mit schönstem Wannseeblick und eine allseits sehr geschätzte große Terrasse prägen den Bau.


Die Mitglieder des VSaW haben im August 2010 den 100. Geburtstag ihres Clubhauses gefeiert. Der seinerzeitige DSV-Präsident, unser Ehrenmitglied Rolf Bähr hielt eine interessante Rede zur Entstehung und Geschichte des „wohl in Europa schönsten Clubhauses“; eine von ihm verfasste Festschrift zeigt die Entwicklung, die das Seglerhaus über die Jahre genommen hat.
Im Jahr 2010 am 10. August jährt sich der Tag, an dem vor hundert Jahren das neue Seglerhaus eingeweiht und von den Mitgliedern in Besitz genommen wurde. Was waren die Gründe und was bewog den Vorstand und die Mitglieder, an den Bau eines neuen Seglerhauses heranzugehen?
In der Generalversammlung des Jahres 1904 wurde über die Baufälligkeit und den Platzmangel im alten Seglerhaus diskutiert und beschlossen, in Zukunft die Jahresgewinne in einer Baurücklage zu hinterlegen und zinsgünstig in Kapitalwerten anzulegen. Bereits der Gewinn des Jahres 1904 wurde in Höhe von 3.000 RM der Rücklage zugeführt. Ende 1908 waren bereits 45.000 RM in der Rücklage und entsprechend in Kapitalwerten angelegt. Im Sommer 1908 hatte der Vorstand einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich die dem Verein angehörigen Herren Kyllmann, Protzen, Wagner, Guthmann, Stahn, Schmidt, Schreiber, Kux, Reinicke und A. Kretschmar beteiligten.
Aufgrund dieser Konkurrenz wurde vom Vorstand eine Sitzung einberufen, zu welcher sich die oben genannten Herren und mehrere andere Mitglieder einfanden, die durch herausragende Geldzeichnungen ihr Interesse gezeigt hatten. Dies waren die Herren Arnhold, Arons, Fritze, Huldschinsky, Oppenheim, Springer, Schultze und Ulrich sowie Herr Polborn. Später kam noch Herr von Siemens dazu.
Ergebnis der Sitzung war die Auslobung eines Wettbewerbes für den Neubau, erbunden mit Zeichnung eines ersten Preises in Höhe von 1.500,- RM und zwei zweiten Preisen in Höhe von je 500,- RM. Als Abgabetermin wurde der 2. November 1908 festgelegt. Das Schiedsgericht sollten die Herren Geh. Baurat Kayser, Geh. Baurat Kyllmann und Baumeister Jacob bilden.
Zielsetzung war:
- an Hand eines allgemein gehaltenen Programms die Raumbedürfnisfrage festzustellen
- die Platzfrage des neuen Seglerhauses zu klären.
Dem Schiedsgericht wurden bis zum 2.11.1908 sechs Vorschläge eingereicht. In zahlreichen Sitzungen galt es, die Vorschläge zu prüfen, und Ende 1908 stand das Ergebnis fest:
Was das Raumbedürfnis betraf, stellte sich bei der Durchsicht und Prüfung sämtlicher Entwürfe heraus, dass es zweckmäßig war, die Küche in das Hauptgeschoss zu verlegen. Ferner wurde ein Damenzimmer gewünscht, das neben der Kleiderablage eingefügt werden sollte. Von den vorgesehenen Räumen für die Jachtmatrosen und die Bootsleute im Souterrain wurde zugunsten größerer Toilettenbereiche für Herren und Damen Abstand genommen. Sie sollten stattdessen im alten Seglerhaus Platz finden. Weiterhin sollte im Souterrain Platz für die Ruderboote geschaffen
werden.
Was die Platzfrage betraf, so stellte sich bei eben dieser Prüfung der Entwürfe heraus, dass es nicht richtig sei, den geplanten Neubau an die Nordseite des Grundstückes zu setzen, weil dieser Platz zu nahe an die große Halle des Schwedenpavillons heranreichte. Errichtete man das Haus an der Südseite des Grundstückes, so ergaben sich folgende Vorteile.
- die repräsentativere Lage des Hauses, welche schon von der Wannsee-Brücke aus in wirksame Erscheinung treten wird.
- die schönere Aussicht von der Terrasse auf Wannsee und Schwanenwerder
- die Möglichkeit, das alte Seglerhaus während der Bauphase weiter zu nutzen.
- die alten Gebäude später stehen zu lassen und die Räume für die Bootsleute zu nutzen. Damit war auch eine erhebliche Geldersparnis möglich.
Diese Lösung war nur möglich, wenn für den Neubau eine möglichst geringe Breite des Neubaus erreicht wurde. Auch war damit genügend Platz für die Winterlager geschaffen. Außerdem rechnete man durch den Neubau mit einem erheblichen Anstieg der Mitgliederzahlen und der Segelboote.
Bei der Vorauswahl schied der Entwurf des Herrn Berlich wegen der nicht erfüllten Programmmäßigkeit aus.
Das Ergebnis der Findungskommission ergab folgende Sieger:
- Preis an Regierungsbaumeister Otto Stahn für das Projekt „Das Alte erhalte, das Neue gestalte“
- Preis an Herrn Hans A.W. Kux für das Projekt „Schwarzer Anker im weißen Feld“
- Preis an Herrn Alfred Kretschmar für das Projekt „Mit vollen Segeln“
- Preis an Herrn Baumeister R. Schreiber für das Projekt „Goode Wind“
Weiterhin empfahl die Findungskommission, den ausgeschiedenen Entwurf des Herrn Otto Berlich „Lotto“ anzukaufen.
Die Baukosten wurden mit 220.000,- RM festgelegt und sollten wie folgt finanziert werden:
- über eine Hypothek von 120.000,- RM
- über ein Darlehen der Mitglieder in Höhe von 100.000,- RM.
Bereits Ende 1908 waren von dem Darlehen 82.000,- RM gezeichnet. Der Rest in Höhe von 18.000,- RM war bis zur Generalversammlung im März 1909 gezeichnet und auf das Baukonto eingezahlt. Die Darlehen wurden mit 4% verzinst und hatten eine Laufzeit von 10 Jahren. Anfang März 1909 gab Herr Otto Stahn wegen Unstimmigkeiten mit dem Vorstand seinen Auftrag zurück. Die Folge war, dass die Generalversammlung auf der Sitzung vom 26.3.1909 eine Ad-hoc-Baukommission wählte, der die Herren Oskar Huldschinsky, Eugen Krüger, Baumeister Emil Schmidt und Baumeister R. Schreiber angehörten. Diese Herren hatten den Auftrag, ein neues Projekt aufzustellen. Als Vorsitzender dieser Kommission wurde Herr Otto Berlich gewählt. In der Generalversammlung vom 21.7.1909 wurde dieses Projekt dann beschlossen. Es sah eine erhebliche Vergrößerung des Grundrisses vor. Die Mehrkosten von 30.000,- RM wurden von der Versammlung genehmigt. Die Bearbeitung des Bauantrages dauerte lediglich drei Wochen, und somit konnte sehr schnell in Bauphase eingetreten werden.
Auch die Finanzierung wurde aufgrund eines Darlehens eines Mitgliedes in Höhe von 150.000,- RM geändert. Auf die geplante Hypothek konnte verzichtet werden. Es ist darauf hinzuweisen, dass dieses Darlehen im Jahr 1911 in eine Spende in Höhe des gleichen Betrages geändert wurde. Auch 95 % des von den Mitgliedern gezeichneten Kapitals konnten in den Jahren 1912-1913 in Spenden umgewandelt werden. Der Bau ging schnell voran und am 7.12.09 fand die Rohbau-Abnahme statt. Der Neubau konnte ab Anfang Juli 1910 Zug um Zug in Besitz genommen werden.
Am 11. August 1910 wurde das Clubhaus mit einem Bankett eingeweiht, an dem der Landrat des Kreises Teltow Dr. v. Achenbach, Exzellenz Barandon als Vertreter des Kaiserlichen Yacht Clubs sowie Vertreter aller Verbandsvereine teilnahmen – ein Fest, das sich bis zum nächsten Tag hinzog. Am 20. August 1910 folgte dann die gemütliche Einweihung für die Mitglieder und Familien des Vereins. Die Generalversammlung des Jahres 1912 beschloss, die besonders großzügigen Spender für den Neubau mit ihren Namen auf einigen der Steine der Nord- und Ostseite des Hauses der Nachwelt zu erhalten. Dies traf aber nicht die Zustimmung der Spender. Man einigte sich stattdessen auf die Namen der Segeljachten, mit denen die Segler erfolgreich waren.
Das hundertjährige Jubiläum des Hauses ist gleichsam auch ein Abbild der Zeitgeschichte und der sportlichen Erfolge.




