Das Germany SailGP Team hat sich fest in der internationalen Segel-Formel-1 SailGP etabliert. float traf Skipper Erik Kosegarten-Heil zum Interview.

Erik Kosegarten-Heil ist der schnellste Skipper Deutschlands. Als Driver des Germany SailGP Teams steuert er den foilenden F50-Katamaran mit mehr als 100 km/h über das Wasser bei den Rennen des SailGP.
Das deutsche Team ist seit drei Jahren im internationalen Rennzirkus dabei. Dieses Wochenende starten sie in Portsmouth, England, zum achten Event von dreizehn in diesem Jahr.
Gemeinsam mit den Eignern Sebastian Vettel und Thomas Riedel hat Erik Kosegarten-Heil vor drei Jahren das deutsche Team gegründet. In dieser sechsten Saison liegen die Deutschen auf Platz 7 von 12. Als nächstes steht am 23./24. August das zweite deutsche Event in Sassnitz auf Rügen bevor. float hat mit Erik Kosegarten-Heil über das Germany SailGP Team und seine Entwicklung gesprochen.

Ein Start-up für den SailGP
Es ist 8:45 Uhr. Ich treffe Erik Kosegarten-Heil in Cascais, Portugal. Hier arbeitet er gerade mit seinem Wingtrimmer Kevin Peponnet an Starts für die komemnden Rennen.
float: Erik, was hast du heute Morgen schon gemacht?
Erik Kosegarten-Heil: Ich bin schon gejoggt und habe Sport gemacht. Wir haben heute durchgehend Meetings bis 14:30 Uhr, deshalb muss das jetzt vorher stattfinden.
Wie ist es, bei SailGP zu segeln?
Gigantisch. Ich glaube, das ist die beste Auslese an AthletInnen, die man im Segelsport finden kann. Es ist eine ganz andere Erfahrung als das olympische Segeln und macht wahnsinnig viel Spaß.

Ihr habt es geschafft, das erfolgreiche deutsche Team zu werden. Was konntest du persönlich dazu beitragen?
Ich glaube, ich hatte ein gutes Händchen für die verschiedenen AthletInnen, die wir jetzt auf dem Boot haben. Bei dieser Aufstellung konnte ich gut mithelfen, aber auch dabei, die Verbindung vom organisatorischen Teil des Teams zu unserem Sportteam herzustellen. Das ist wahrscheinlich eine meiner Stärken.
Wie kamst du mit den Rennstallbesitzern Thomas Riedel und Sebastian Vettel zusammen?
Ursprünglich hatte ich 2018 ein Gespräch mit Russell Coutts, und wir haben schon angefangen, das Team zu planen. Wir hatten eine Agentur aus München, die uns bei der Sponsorensuche unterstützen sollte, aber wir haben zu der Zeit unsere Kampagne für Tokio gemacht und konnten nicht viel beitragen.

Dann sprach Russell Coutts Thomas Riedel auf die Liga an. So sind Thomas und ich zusammengekommen und dann Sebastian und ich. Es war beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit und in welch kurzer Zeit wir das Team aufgebaut haben. Thomas und Sebastian haben viel Mut bewiesen, ohne viel eigenen Segelbezug ein so junges Start-up auf die Beine zu stellen.
Chance aufs Finale
Was ist für dich das Ziel dieser Saison?
Wir haben klar definierte Ziele. Für mich persönlich ist es wichtig, dass wir uns fest in der ersten Hälfte des Feldes etablieren. Das Feld wird Stück für Stück stärker, und man sieht: Bei einem Event kannst du Letzter werden, beim nächsten Top drei fahren. Es liegt alles super eng beieinander, und der Schlüssel ist natürlich, die Konstanz zu finden und sich in der ersten Hälfte festzusetzen. Wenn man das schafft — bei uns ist das momentan Position sechs, sieben — dann hat man immer die Chance aufs Finale, und das wäre das Ziel für die Saison.

Was kannst du und dein Team bei den Starts noch lernen? Du bist als Driver ja letztlich auch immer der Taktgeber.
Die Starts sind sehr stark auf die Abstimmung zwischen, Kevin, Anna und mir fokussiert. Wir haben eine umfangreiche Struktur entwickelt, wie wir sie angehen und analysieren.
Wenn man sich die Videos des schwedischen Teams mit Nathan Outteridge und Chris Draper anschaut oder die von Tom Slingsby und Iain ‚Goobs‘ Jensen, sieht man ziemlich genau, welches Stück uns noch fehlt.
Manchmal passt auch einfach alles zusammen, und dann haust du gute Starts raus. In Bermuda waren wir in den Starts Top drei und dementsprechend auch in der Gesamtwertung Top drei. Letztes Jahr waren wir in der ersten Hälfte in den Starts Zehnter, in der zweiten Hälfte des Jahres Erster. Ich habe so viele Stunden Starts angeschaut, das kannst du dir gar nicht vorstellen.
Es gibt kein einheitliches Konzept. Es geht eigentlich darum, wie das Team auf spontane Veränderungen reagieren kann und ob man lernt, diese Situationen gut zu lösen. Das geht in Teams, die ewig zusammen segeln, natürlich deutlich leichter als in Teams, die sich gerade erst zusammengefunden haben, speziell bei den Rollen, die wir neu zusammengestellt haben, mit Kevin und mir.
Im Detail ist noch einiges zu tun, aber wir haben auch gute Momente in den Starts, und wir haben in den letzten Events gesehen, dass wir nach den Starts ein gigantisches Aufholpotenzial haben. Wenn wir beides zusammenbringen, geht es ein ganzes Stück nach vorne.
Frenchie und Pizza Pineapple
Kommunikation ist natürlich wichtig, aber es ist vor allem Intuition — also viel Erfahrung, oder?
Ja, und das Machen ist ja der Punkt. Wir haben kaum Trainingsmöglichkeiten, wir machen ein bisschen was am Simulator. Sonst haben wir nur die Starts selber. In New York hatten wir drei Starts, in Halifax vier, das heißt, wir haben innerhalb von zweieinhalb Monaten sieben Starts gemacht. Im olympischen Programm hatte man diese sieben Starts in weniger als einer Session. Die Menge, die man üben kann, wenn man ein neues Konzept fahren oder die Abstimmung anpassen will, ist also ziemlich gering.
Teamsitzung © Germany SailGP Team
Aber es geht trotzdem voran. Wir versuchen, so gut es geht, Trockenübungen zu machen. Wir visualisieren, machen Simulatortrainings, machen eine Art Gesprächs- und Callbook-Training, das wirklich sehr präzise ist. Das ist ein kleiner Unterschied zu den englischen Muttersprachlern im Feld. Wir können eine Situation nicht so bildlich beschreiben, ohne das Risiko einzugehen, dass jemand anders auf dem Boot es in dem Moment nicht versteht. Für uns ist es deshalb super wichtig, ganz strikt festzulegen, welche Wörter und welche Codewörter wir für verschiedene Aktionen benutzen. Das üben wir, damit die Kommunikationsabläufe knapp, aber präzise bleiben.
Kannst du Codewörter nennen?
Wir haben zunächst Start-Codewörter: ‚Delta Frenchie‘, oder ‚Aussie-Start‘. Sie stehen für die typische Starttechnik bestimmter Teams. Der ‚Frenchie‘ bedeutet, ans Ende der Startbox zu fahren und dann aus einer höheren Position Richtung Linie zu racen, in der Hoffnung, dass sich eine Lücke auftut. Man macht dann einen Winner- oder einen Loser-Start. Der ‚Aussie‘ ist eine Starttechnik, die immer zwischen den Leylines endet, wo das Boot-zu-Boot-Fighting mehr im Fokus steht und es mehr um das Timing zwischen Boot und Linie geht.

Wir haben viele italienische Gerichte in unserem Codebook, mindestens siebzig Begriffe, die nicht standardmäßig aus dem Segelrepertoire kommen. ‚Pizza Pineapple‘ zum Beispiel: Nach der ersten Tonne ergibt sich eine bestimmte Situation, für die wir eine gewisse Strategie haben. ‚Pizza Pineapple‘ ist ja für einen Italiener etwas, das gar nicht geht, deshalb heißt dieser Move, an der ersten Tonne mit dem Abwind des Feldes ein Jibe-Set zu fahren, ‚Pizza Pineapple‘, weil das eben nicht geht. Oder grundlegende Moves, die man machen muss, sobald man in Position drei, vier, fünf um die Tonne geht, nennen wir ‚Margarita‘.
Dann gibt es noch eine Königsklasse: wenig Wind, und man will unbedingt auf den Foils bleiben. Es geht darum, eine Spur zu finden, die noch keinen Abwind hat, damit man möglichst auf dem Foil bleibt. Dafür muss man manchmal weiter rausgehen, über die Leyline hinaus, und dann zurückkommen. Das ist die ‚Bufala‘, sozusagen die Königspizza aus unserer Sicht. Und solche Begriffe gibt es noch viele.
Deutsches Team für professionelles Segeln
Erik, wie ist das für dich, der schnellste Skipper Deutschlands zu sein?
Besonders ist vor allem, dass wir dieses deutsche Profiteam haben. Das ist wahrscheinlich deutlich besonderer, als der schnellste Skipper zu sein, auch wenn das ein witziger Titel ist. Das war die Perspektive, die ich mir im olympischen Programm gewünscht habe: langfristig in Deutschland ein Team zu haben, in dem man Segeln professionell betreiben kann. Es ist cool, dass jetzt mit einem Projekt wie dem von Boris in der Offshore-Segelei und einem Projekt im Inshore-Bereich wie SailGP zwei Möglichkeiten bestehen, sich dem Segeln zu verschreiben.
Du hast wahnsinnig viel erreicht, du bist ein echter Speed-Star. Wie schaffst du das? Was treibt dich an?
Ich bin in dem, was ich mache, meistens sehr gut, und ich mag Projekte. Mich begeistert Vielseitigkeit. Unser olympisches Programm war aus meiner Sicht sehr vielseitig. Man musste sehr viel eigene Struktur für das Team entwickeln, von Containertransporten bis zur Sponsorenakquise oder Materialentwicklung. Dazu die Teamarbeit mit Physio und Coaches. Man ist im olympischen Segeln deutlich eigenständiger unterwegs als zum Beispiel ein Standard-Fußballspieler.
Und die Vielseitigkeit, die man dabei lernt, ist auch fürs Leben etwas Gutes. Das hat mich immer begeistert. Nach dem Olympiakader habe ich angefangen, Medizin zu studieren. Hier hatte ich das gleiche Gefühl.
Dasselbe habe ich noch einmal mit unserem Hof in Strande erlebt. Was da an neuen Themen aufkam, war wild und noch mal eine andere Ebene, als ich es aus dem Sport gewohnt war. Und dann kam SailGP! Es ist unfassbar, wie vielseitig dieses Projekt ist.
Und natürlich mag ich Competitions. Das ist mein anderer Antrieb. Das habe ich schon immer gemocht. Ich segle ehrlich gesagt nicht gern allein.

Du bist 21 Jahre lang mit Thomas Plößel im 49er für Olympia gesegelt.
Für mich ist es wirklich wichtig, ein Team zu haben. Dort kann ich auch mein Gespür für Menschen einbringen. Mit mir allein bin ich nie so motiviert. Das Team zu entwickeln und dann auch das Glück und den Erfolg mit dem Team zu teilen, das ist meine Motivation.
Vertrauen statt Druck
Was waren deine größten Erfolge für dich persönlich?
Unser erster Weltcup-Sieg in Palma, und die erste Kampagne, die wir im 49er gemacht haben. Wenn ich sehe, mit welchem Wissensvorsprung die anderen Nationen damals gegen uns angetreten sind, finde ich es immer noch sehr beeindruckend, wie wir mithalten konnten. Auch unsere erste Medaille in Rio: Technisch, strategisch und taktisch waren wir sehr gut, materialmäßig waren wir im Verhältnis zu den Top-Nationen wahrscheinlich unterirdisch unterwegs.

Das Medizinstudium gehört auf jeden Fall auch dazu, wenn wir über größte Erfolge sprechen.
Organisatorisch ist der größte Erfolg, wie dieses Germany SailGP Team entstanden ist und wie es sich auf allen Ebenen entwickelt. Wir legen nicht nur den Fokus auf den Sport, wir wollen auch, dass es ein funktionierendes wirtschaftliches Konzept ist, damit das Team auch langfristig überlebt. Wir wollen nicht von einem einzelnen Geldgeber abhängig sein, sondern wollen, dass sich die Geschichte rechnet und man zeigen kann, dass Segeln ein Sport ist, der sich professionell über Sponsoren und Medienwirksamkeit betreiben lässt.
Wie kommst du mit Erfolgsdruck klar?
Der Druck durch die Sponsoren und Teamstruktur ist bei uns gar nicht so hoch, weil das Vertrauen da ist, dass wir das Richtige machen. Ich glaube eher, dass das Segelteam intern den Druck verspürt, schnellere und mehr Erfolge zu produzieren.
Mit Druck komme ich ziemlich gut zurecht und mag es auch, wenn ein bisschen Druck im Kessel ist. Ich war nie der Typ für Trainings, sondern immer der Wettkampftyp, das hat mir mehr Laune gemacht. Deshalb waren für mich auch die Olympischen Spiele ein extrem schöner Moment.
Den deutschen Talentpool nutzen
Wie schätzt du dein Team ein?
Das gigantische Team © Germany SailGP Team
Wir haben ein gigantisches Team zusammengestellt, mit riesigem Potenzial. Je länger wir in dieser Konstellation zusammenbleiben können, desto stärker werden wir. So wie die anderen Teams, die schon lange zusammen sind. Ich glaube, wir haben eine extrem gute Grundlage, das wirklich hinzubekommen, vielleicht künftig noch mit ein bisschen mehr deutscher Entwicklung, sodass wir langfristig auch ein paar Charaktere aus unserem Talentpool in Deutschland entwickeln. Dann sind wir, glaube ich, ziemlich solide aufgestellt, um mitzumischen.
Was würde dein Team über dich sagen?
Ja, das müsstet du es selbst fragen. Ich glaube, es sticht heraus, in welcher Art und Weise ich mich Projekten verschreibe, dass ich die Vielseitigkeit der Projekte gut managen kann. Ich hoffe, ich werde auch gemocht.
Wie musst du als Driver trainieren?
Ich mache meine Reha-Übung (lacht), Ich bin ja nicht mehr der Jüngste. Ich nenne es so, weil ich viel Stabilisations-Training mache, vor allem von Hals und Schultern. Das sind die beanspruchten Zonen beim Foilsegeln. Bei einem Crash knallt der Kopf immer irgendwo an, oder man verdreht sich.
Für mich als Driver ist Neurotraining wichtig. Ich übe unter Stress Aufgaben zu bewältigen, das Gleichgewicht zu halten, Koordination zu trainieren. Reines High-Intensity-Training mache ich dagegen weniger. Mein höchster Puls liegt auf dem Boot bei 120 bis 125.
Multitasking unter Hochdruck
SailGP ist ein sehr demokratisches Format, was die Kommunikation betrifft. Die Daten aller Teams sind für alle einsehbar, ihr bekommt im Rennen Infos über die Headsets. Wie koordinierst du das alles?
Es geht vor allem darum, die verschiedenen Aufgaben zu jonglieren. Die verschiedenen Stimmen vom Rennkomitee, die mir über Funk Informationen über den Race-Kurs geben, muss ich unter Druck sortieren, immer mit dem Fokus darauf, das Boot schnell zu fahren.

Gleichzeitig muss ich mit dem Coach und dem Team auf dem Boot über die nächsten Moves auf dem Kurs sprechen: welcher Kurs der bessere ist, wie viele Manöver wir bis zum nächsten Gate haben, wo der nächste Druck herkommt, wie die Abweichung an der Luvtonne zur Leetonne ist.
Ich muss im Fokus behalten, wer in dem Moment der Gegner ist. All diese Informationen muss ich verarbeiten, während ich parallel das Boot schnell fahre.
Wie sieht dein Tagesablauf aus?
Ich bin jetzt gerade mit Kevin Peponnet, unserem Wingtrimmer, hier in Portugal, weil wir die Kommunikation beim Start vorantreiben wollen, damit wir die beste Performance über die Startlinie erzielen.
Was meinen Tagesablauf betrifft, bin ich etwa den halben Tag am Schreibtisch. Manchmal sitze ich bis zu drei Stunden an einer Simulatorsession. Wenn man sie noch auswertet, sitzt man auf einmal vier, fünf Stunden am Laptop.
Genauso ist es bei der Visualisierung, wo wir mit geschlossenen Augen visualisieren und den Racekurs gedanklich durchgehen. Dabei versuchen wir, diese Zwei- bis Drei-Minuten-Fenster für die Startkommunikation wie in der Formel 1 umzusetzen. Das ist nicht immer leicht. Es passiert oft, dass man ein Detail einbringt, das gar nicht relevant ist und in dem Moment auf dem Boot gar nicht gebraucht wird.
Spielplatz Pferdehof
Was machst du eigentlich, wenn du nicht SailGP segelst?
Ich habe einen riesigen Spielplatz auf unserem Hof in Strande, wo ich mich austoben kann. Wir betreiben eine Pferdewirtschaft und eine Vermietung auf dem Gelände. Damit verbringen wir zwangsläufig ein bisschen Zeit. Wenn man so ein Projekt startet, ist ja meist noch nicht viel Geld da. Ich habe also sehr viel selbst gemacht und mir auch viel selber beigebracht.

Der Hof ist schon zu einem Ort für Recovery geworden, mit allem, was man sich vorstellen kann, von der hyperbaren Sauerstoffkammer über Sauna und Infrarotsauna bis hin zum Eisbecken. Ich glaube, mit einem gesunden Leben und solchen Hilfsmitteln kann man wirklich viel bewirken.
Ich kann viel an mir selbst und Louisa testen, und ich habe auch viele Freunde, die entweder aus dem Sport oder aus der Medizin kommen. Die haben auch Lust, etwas herauszufinden und zu erforschen.
Und die Freunde?
Die helfen oft. Je älter man wird, desto mehr trifft man sich nur noch zum Essen und Kaffeetrinken, während man sich früher getroffen hat, um gemeinsam aktiv zu sein. Der Hof bringt uns ein bisschen dahin zurück. Ich habe in den ersten Jahren so viele Freunde gesehen wie noch nie in meiner Zeit nach der Schule.

Machst du noch Sport nebenbei?
Ich surfe auch gerne, das haben wir hier in Portugal wieder angefangen. Und ich spiele Tennis. Als Kind habe ich viele Jahre gespielt, bis ich mich mit zwölf, dreizehn vollständig fürs Segeln entschieden habe. Viel mehr Zeit habe ich nicht.
Ihr bekommt im Oktober ein Baby. Da ist die sechste Saison fast vorbei. Habt ihr das genauso eingeplant?
Es ist vor allem in den einzigen freien Monat gefallen. Wir hatten eigentlich noch zwei, drei Jahre Pause geplant. Meine Frau Louisa hatte davor einen Achtjahresplan gemacht, mit ihren verschiedenen Stufen für die Facharztausbildung in Orthopädie und Unfallchirurgie.
Alles wird auf Sassnitz ausgerichtet
Schaust du schon, was nach SailGP kommt?
Ich möchte SailGP vorantreiben, damit unser Team erfolgreich wird. Irgendwann kann ich jemand Neues anlernen, der meine Rolle übernimmt und in diese Rolle hineinwächst. Vielleicht begleite ich das Team dann in dieser Phase noch, oder gehe auch noch ein paar Jahre organisatorisch ins Team und spiele dort meine Stärken aus, mit Sponsorenakquise und kommerziellen Programmen, und behalte so die Verbindung zum Sport. Ich kann mir vorstellen, dass das eine coole Möglichkeit ist, das Team im organisatorischen Bereich weiter zu stärken.

Aber ich könnte wahrscheinlich schon allein mit unseren ganzen Projekten auf dem Hof ausgelastet sein: dem Kind, der Pferdewirtschaft, der Vermietung.
Wer sind deine Vorbilder? Wer hat dich zu dem Erik Kosegarten-Heil gemacht, der du heute bist?
Ich hatte früher wenige Vorbilder. 2018 habe ich zum ersten Mal den Windsurfer Robby Naish getroffen und fand wahnsinnig gut, wie er den Sport transportiert. Seitdem ist er ein Stück weit ein Bild in meinem Kopf geworden.
Auch Sebastian Vettel: Er ist ja wirklich ein krasser Individualsportler. Es hat mich beeindruckt, wie gut er sich in Teams integrieren kann. Er ist einer, zu dem man aufblicken kann. Er muss die Schnittstelle zwischen den Ingenieuren, dem Auto sein, also dem Sport und der Entwicklung, und dabei dafür sorgen, dass alle bei Laune bleiben und sich wertgeschätzt fühlen. Wenn man mit ihm spricht, merkt man sofort, warum er so erfolgreich war.
Peter Burling © Kerstin Zillmer
Seglerisch war Peter Burling immer ein Hammer. Ich glaube, er ist in der Art, wie er Dinge auf dem Wasser wahrnimmt, der krasseste Sportler, der mir einfällt.
Du bist Berliner, genauer gesagt kommst du aus Frohnau. Wo bist du jetzt zu Hause?
Ich werde immer Berliner sein, aber ich bin auch Hamburger und Kieler und jetzt auch Strander. In Berlin hatte ich den größtmöglichen Support, den man dort bekommen konnte. Danach sind wir mit unserem Olympiastützpunkt nach Hamburg gegangen. Hamburg hat uns auf eine Art aufgenommen, die für uns lebensprägend war, mit einer wirklich professionellen Kampagne. Wir haben auch viel Zeit in Kiel und Strande verbracht. Und mittlerweile ist auch Portugal ein Stück von uns geworden.
Erzähl mal von deiner Familie.
Ich habe vier Geschwister: Zwei wohnen in Berlin, eine in Mainz und einer in Frankreich. Mein Vater ist vor zehn Jahren gestorben. Meine Mutter wohnt mit uns auf dem Hof. Sie ist seit ein paar Jahren nicht mehr hauptberuflich Hebamme, arbeitet aber noch ein bisschen am Wochenende. Ansonsten kümmert sie sich um das Grün auf dem Hof, um die Versorgung und die Stimmung. Sie ist die gute Seele.

Wir sehen uns in Sassnitz, und ich hoffe, du wirst noch erfolgreicher als letztes Jahr.
Das hoffe ich auch. Wenn man ein Event gewinnen will, dann muss es Sassnitz sein. Alles wird auf Sassnitz ausgerichtet. Vielleicht wird das auch die erfolgreiche Startwende. Wir hatten in Sassnitz den besten Start der Saison im gesamten Feld. Und die Starts sind natürlich auch immer eine Frage des Selbstvertrauens. Fährt man ein paar schlechte, wird das schnell ein Teufelskreis.
Herzlichen Dank für das gute Gespräch.
Titelbild: Erik Kosegarten-Heil steuert den SailGP-Katamaran © Ricardo Pinto / SailGP








