Erster Testlauf im Olympiarevier von Los Angeles und erste Silbermedaille. Anna Markfort und Simon Diesch haben in San Pedro geliefert, während sich Paco Melzer und Theres Dahnke in den Top 5 platzieren.

„Wir sind gut darin, Boote zu überholen. Trotz gerissenem Unterliekstrecker sind wir vom letzten Platz an der ersten Luvtonne noch auf Platz acht vorgefahren. Ich glaube, das spricht für sich.“ Wenn Anna Markfort so über ein Rennen spricht, bei dem eigentlich alles verloren war, dann liegt eine gute Woche hinter dem Team. Und die endete sehr erfolgreich.

Zwei Jahre vor den Sommerspielen von Los Angeles haben die 470er-Vizeweltmeister Anna Markfort und Simon Diesch bei der Olympic Classes Regatta in San Pedro Silber geholt und die erste Duftmarke im künftigen Olympiarevier von LA28, dem Port of Los Angeles vor San Pedro, gesetzt.
Gleich zwei weitere deutsche Mixed-Crews fuhren in die Top sechs: Theres Dahnke (PWV) und Paco Melzer wurden Fünfte, Theresa Löffler und Christopher Hoerr (beide DTYC) Sechste. Der Titel ging an die Briten Martin Wrigley und Bettine Harris, Bronze an das schwedische Duo Anton Dahlberg und Lovisa Lindner.
Beim letzten Termin des Sailing Grand Slam 2026 kamen 300 Seglerinnen und Segler aus 47 Nationen nach Kalifornien, darunter über 70 Olympia-Teilnehmer. Die 470er-Flotte hatte in San Pedro mit 19 Booten die gleiche Größe, die sie 2028 auch bei Olympia haben wird. Für San Pedro war es die Rückkehr auf die olympische Landkarte: 1932 hatte der Port of Los Angeles schon einmal olympisches Segeln ausgerichtet, 1984 wich das Revier nach Long Beach aus. 94 Jahre nach der ersten Premiere segeln die Klassen also dort, wo alles begann.
Das VSaW-Doppelpack
Zwei der drei deutschen Top-Boote segeln für den Berliner Verein Seglerhaus am Wannsee (VSAW). Anna Markfort, die in Kiel geboren ist und heute für den VSaW antritt, und Paco Melzer mit Theres Dahnke vom Plauer Wassersportverein haben in San Pedro nebeneinander Rennen gewonnen. „Es war cool, dass sowohl Theres und Paco als auch wir jeweils zwei Bullets (Rennsiege) an einem Tag hatten“, sagt Markfort, „blöd nur, dass die Briten für ihre Bullets den Tag mit drei Rennen erwischt haben.“ So knapp kann Silber sein.

Diesch (Württembergischer Yacht-Club/Bodensee) und Markfort segelten drei Rennsiege heraus, zwei davon am Vorschlusstag, und gingen als Führende ins Medal Race. Die Finalränge acht und sieben reichten nicht ganz für den Sprung nach oben, aber bequem, um die Schweden hinter sich zu lassen.
Dass die Vizeweltmeister vom letzten Platz zurück in die Top acht segeln können, wenn das Material versagt, sagt mehr über den Reifegrad des Teams aus, als jedes Podiumsrennen. Bei der WM in Gdynia hatten sie im vergangenen Jahr punktgleich Gold verpasst. In San Pedro verhindert nun eine gerissene Leine keine Medaille mehr.
Abwechslungsreiches Revier
Wer an San Pedro denkt, hat schnell ein Klischee im Kopf: Seebrise, 15 Knoten, blauer Himmel, alle Tage gleich. Die Realität war anders. „Wir konnten auf drei verschiedenen Rennkursen segeln“, sagt Markfort. „Von Flachwasser und drehig-böigen Bedingungen bis zu etwas mehr Welle und stärkeren Winden war alles dabei.“ Die Kurse liegen entweder innerhalb oder außerhalb der Hafenmauer. „Ein Ort, der uns immer wieder gefordert hat. Aber wir haben uns wohlgefühlt.“

Theres Dahnke, die zum ersten Mal in LA segelte, sieht es ähnlich: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so abwechslungsreich ist.“ Vor allem die Binnenkurse innerhalb der Hafenmauer lagen ihrer Crew: „Da ist es bei Flachwasser ein kleines bisschen drehiger. Wir konnten mit unseren zwei Bullets gut punkten. Ein cooler Tag, der uns viel Selbstvertrauen gegeben hat.“
Nächster Stop: Enoshima
Für die 470er-Klasse ist San Pedro nur der Aufwärmer. Vom 10. bis 17. August steigt in Japan die Weltmeisterschaft – im ehemaligen Olympiarevier von 2020, mit über 70 Booten. Wo in San Pedro 19 Boote am Start waren, sind es in Enoshima fast das Vierfache. „Wir sind gespannt und freuen uns auf den Saisonhöhepunkt“, so Theresa Löffler.

Cheftrainer Dom Tidey ist sehr zufrieden mit dem Testlauf im LA28-Revier: „Drei Boote unter den ersten sechs und eine Silbermedaille ist die Art von Ergebnis, die zeigt, dass wir mit der Vorbereitung auf Kurs sind.“
Während Diesch und Markfort jetzt mit den anderen 470er-Crews direkt nach Japan weiterreisen, rücken in San Pedro die Skiff-Klassen nach. Ab 1. August sind 49er, mit Richard Schultheis (NRV) und Fabian Rieger, 49erFX und Nacra 17 dran. Zwei Jahre vor der Küstenparty in LA laufen die Boxenstopps im Testrevier bereits im Wochentakt.
Originalartikel unter: https://floatmagazin.de/leute/silber-fuer-anna-markfort-und-simon-diesch-im-470er/
Titelbild: © Lexi Pline / Sailing Team








